

Energy Sharing gewinnt zunehmend an strategischer Bedeutung. Es eröffnet Energieversorgern neue Wege, überschüssigen Photovoltaikstrom zielgerichtet zu vermarkten und gleichzeitig attraktive, zeitgemäße Stromtarife für Verbraucher bereitzustellen.
Auf der exnaton KONFERENZ 2025 gab Thies Stillahn, Senior Sales Manager bei exnaton, einen der umfassendsten Einblicke in die Rolle, die Energy Sharing künftig in der DACH-Region spielen wird. Seine Ausführungen zeigen: Energy Sharing ist nicht nur ein innovatives Produktkonzept, sondern ein Baustein für ein widerstandsfähiges, kundenorientiertes Energiesystem.
Hier fassen wir die zentralen Inhalte seines Vortrags zusammen – von aktuellen Entwicklungen über gesetzliche Rahmenbedingungen bis zu konkreten Modellen der Umsetzung. Gleichzeitig zeigen wir, welche Faktoren maßgeblich dafür sind, dass Energy Sharing in die Breite gelangen kann.
Die europäischen Strommärkte befinden sich im Wandel. Die Häufigkeit negativer Börsenstrompreise nimmt seit Jahren kontinuierlich zu – ein klares Signal dafür, dass erneuerbare Erzeugung und Marktmechanismen strukturell neu austariert werden müssen.
In Deutschland wurden bis August 2025 bereits über 400 Stunden mit negativen Preisen verzeichnet. Analysen gehen davon aus, dass dieser Wert bis 2032 auf rund 1.300 Stunden steigen könnte – selbst unter der Annahme eines massiven Ausbaus von Speicherkapazitäten in Europa.

Für Betreiber vor allem von PV-Anlagen bedeutet dies sinkende oder ausbleibende Vergütungen in Phasen hoher Einspeisung. Zugleich werden Mechanismen wie die geförderte EEG-Direktvermarktung weiter angepasst und stärker in den Markt integriert.
In dieser Gemengelage entstehen neue Anforderungen und Chancen:
Energy Sharing ist ein Ansatz, der diese Interessen verbindet. Die Vorteile reichen von planbaren Erlösen und flexiblen Tarifmodellen bis hin zu einer Stärkung regionaler Akzeptanz. Gleichzeitig eröffnen digitale Transparenz- und Visualisierungsfunktionen neue Möglichkeiten der Kundenbeziehung.
Besonders attraktiv wird Energy Sharing durch seine Vielseitigkeit: Es lässt sich mit Batteriespeichern, Elektromobilität, Mieterstrommodellen oder gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung kombinieren – lokal als auch überregional.
Energy Sharing beschreibt das gemeinschaftliche Nutzen von erneuerbarem Strom, der lokal oder überregional erzeugt und über das öffentliche Netz verteilt wird. Es schafft einen strukturierten Rahmen, in dem Erzeuger und Verbraucher Teil eines gemeinsamen Modells werden.

Kennzeichnende Elemente sind:
Energy Sharing schafft damit einen strukturierten und transparenten Rahmen, der Erzeugung und Verbrauch enger miteinander verbindet.
Österreich gilt als Vorreiter. Energiegemeinschaften sind dort bereits weit verbreitet:
Österreich zeigt damit, wie Energy Sharing sich erfolgreich in bestehende Marktstrukturen integrieren lässt.
Mit der Einführung der lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEGs) vollzieht die Schweiz einen tiefgreifenden Wandel:
Die Schweiz schafft damit ein zukunftsfähiges Modell, das Wettbewerb und regionale Eigenversorgung harmonisch verbindet.
Deutschland hat mit der Novellierung des EnWG einen entscheidenden Schritt gemacht: Energy Sharing ist seit November 2025 als Teilversorgungsmodell gemäß §42c EnWG definiert und ab Mitte 2026 standardisiert umsetzbar.
Kernelemente des Modells:
Neben dem gesetzlichen Modell nach §42c EnWG existieren bereits tragfähige bilanzielle Ansätze, die Versorgern große Flexibilität bieten.

Bei diesem Modell kauft der Energieversorger Strom aus erneuerbaren Anlagen über die Direktvermarktung vom Anlagenbetreiber und beliefert damit Verbraucher. Anlagenbetreiber erhalten eine Vergütung nach einem fixen, variablen oder dynamischen Modell. Unterschieden wird zwischen dem an die Gemeinschaft verkauften Strom und dem überschüssigen an den Markt oder Dritte veräußerten Strom. Die Verbraucher unterscheiden einen Preis für den in der Gemeinschaft bezogenen Strom und den vom Energieversorger organisierten Reststrom. Alle Beteiligten werden in einem gemeinsamen (Sub-)Bilanzkreis geführt.
Der Energieversorger übernimmt Organisation, Bilanzierung und Versorgung – und schafft damit ein nahtloses Nutzungserlebnis. Das Modell ist offen für kleine wie große Anlagen und lässt sich regional als „Bürgerstromtarif 2.0“ positionieren.
Für Unternehmen mit mehreren Standorten (Multi-SiteGeschäftskunden) ist Energy Sharing besonders attraktiv. Überschüssiger PV-Strom eines Standortes kann bilanziell an einen anderen ohne eigene Erzeugung übertragen und beliebig skaliert werden.
Die Vorteile liegen auf der Hand:

Auch unternehmensübergreifende Modelle sind möglich – ein Potenzial für regionale Wirtschaftscluster.
Dieses Modell überträgt die gleiche Logik auf kommunale Akteure.
Ziel ist es, Stromüberschüsse einer kommunalen Einrichtung gezielt zur Versorgung anderer kommunaler Einrichtungen zu nutzen – ein wirkungsvoller Ansatz zur Steigerung lokaler Wertschöpfung.
Es handelt sich hier um eine Ergänzung zu allen anderen Modellen. Hier steht die Kapitalbeteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Fokus. Dies stärkt die Identifikation und erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz erneuerbarer Projekte.
Peer-to-Peer-Sharing beschreibt den direkten Austausch von Strom zwischen Erzeugern und Verbrauchern über digitale Marktplätze. Der Energieversorger agiert als Intermediär, übernimmt Abwicklung, Bilanzierung und Belieferung.
Vorteile:
Mit der Intelligence Plattform von exnaton lassen sich sämtliche vorgestellten Energy Sharing Modelle schnell erproben und marktreif anbieten. Die Plattform schafft Ordnung in komplexen Prozessen und ermöglicht eine hohe Skalierbarkeit bei gleichzeitig klarer Nutzerorientierung.

Sechs Faktoren sind entscheidend für eine breite Marktdurchdringung:
Die Zunahme negativer Börsenstrompreise macht neue Vermarktungswege für Anlagenbetreiber unverzichtbar. Dynamische Netzentgelte und regionale Vorteile erhöhen zeitgleich die Attraktivität für Verbraucher.
Unter diesen Bedingungen entwickelt sich Energy Sharing zu einem Standardprodukt der Energiewelt von morgen. Es bietet:
Energieversorger, die jetzt in digitale Lösungen und strukturierte Prozesse investieren, gestalten die Energieprodukte der nächsten Dekade.
exnaton unterstützt Energieversorger dabei, Energiegemeinschaften, P2P-Modelle, dynamische Tarife und Flexibilitätsprodukte schnell, compliance-sicher und benutzerfreundlich umzusetzen. Meldet euch bei uns.