Flexibilität, dynamische Tarife & Energy Sharing. Wie 2025 den Energiemarkt verändert hat – und was 2026 für Versorger bedeutet

January 14, 2026
Fabian Stocker

2025 hat den europäischen Energiemarkt spürbar verschoben. Flexibilität ist vom Buzzword zum zentralen Engpass geworden, dynamische Tarife sind durch regulatorische Durchbrüche endlich im Markt angekommen – und Energy Sharing hat den Schritt von der Vision in Richtung Umsetzung gemacht.

Für Energieversorger heißt das: 2026 wird ein Entscheidungsjahr.


Wer Flexibilität nur als Pflichtthema behandelt, bleibt im Mittelmaß stecken. Wer jetzt strategisch handelt, kann sich klar differenzieren.

In diesem kompakten Jahresrückblick zeigt exnaton, was sich 2025 in Deutschland, Österreich und der Schweiz verändert hat – und worauf Versorger sich jetzt vorbereiten sollten.

Von der Energiekrise ins Flexibilitätszeitalter

Abbildung 1: Entwicklung der Duck Curve in Deutschland im Juni 2017–2025

Wenn 2022 das Jahr der Energiekrise und 2023–2024 die Phase der Stabilisierung waren, dann war 2025 das Jahr der Flexibilität.

Das zeigt sich sehr konkret:

  • immer stärkere Duck-Curve-Effekte
  • mehr negative Preisstunden zur Mittagszeit
  • steilere Abendlastspitzen durch E-Mobilität und Elektrifizierung

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr ob Flexibilität gebraucht wird, sondern: Wie lässt sie sich sinnvoll nutzen – und wirtschaftlich vermarkten?

Statt Erzeugung abzuregeln oder fossile Energie zu importieren, rücken neue Modelle in den Fokus:

  • dynamische und smarte Stromtarife
  • Energiegemeinschaften und Energy Sharing
  • intelligente Preissignale an HEMS, EVs, Speicher und Wärmepumpen

Kurz gesagt: Der Flexibilitätsmarkt wird real.

DACH holt auf – andere Märkte sind schon weiter

Während Deutschland, Österreich und die Schweiz 2025 regulatorisch aufholen, sind Nordics, Benelux und UK bereits deutlich weiter.

Abbildung 2: Zeigt die Tarifvielfalt in Europa sowie die starke Verbreitung dynamischer Tarife in den Nordics, Benelux und im UK. Quelle: LCP Delta

Dort sind:

  • Spotpreis-gekoppelte Haushaltsstromtarife Standard
  • asset-spezifische Tarife für EVs, Speicher oder Wärmepumpen etabliert
  • HEMS-Integrationen und Echtzeit-Preislogiken Alltag

Für Versorger ist das eine klare Blaupause.
Denn: Wer versucht, komplexe Smart-Energy-Produkte komplett selbst auf Legacy-ERP und Billing-Systemen zu bauen, landet oft beim regulatorischen Minimum – nicht bei echten Innovationsprodukten.

Deutschland 2025: Pflicht erfüllt – oder Chance genutzt?

Mit der Einführung verpflichtender dynamischer Tarife ist klar: Tarifgestaltung wird zur Kernkompetenz.

Der Markt teilt sich sichtbar:

  • auf der einen Seite Minimal-Umsetzungen, versteckt auf Websites, unattraktiv bepreist und teils per Excel abgewickelt

  • auf der anderen Seite Premium-Flex-Produkte, gebündelt mit Assets, Hardware und klarer Customer Experience

Gleichzeitig treiben EV-Durchdringung und MiSpel ab 2026 neue Geschäftsmodelle. V2G, flexible Speicher und zeitvariable Netzentgelte rücken näher an den Massenmarkt.

2026 wird in Deutschland alles andere als langweilig.

Smart Meter Light: möglicher Gamechanger?

Ein großes Nadelöhr bleibt der Smart-Meter-Rollout.
Deshalb wird zunehmend über ein „Smart Meter light“ diskutiert: günstiger, einfacher, aber ausreichend für dynamische Tarife und variable Netzentgelte.

Das könnte:

  • deutlich mehr Haushalte in dynamische Tarife bringen
  • Flexibilität aus der Prosumer-Nische holen
  • die digitale Basis für ein wirklich intelligentes Verteilnetz schaffen

Energy Sharing: 2026 wird konkret

Energy Sharing geht in DACH in die Umsetzungsphase:

  • Deutschland: §42c EnWG ab Juni 2026
  • Schweiz: Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) mit bis zu 40 % Netzentgeltreduktion
  • Österreich: Tausende Energiegemeinschaften, P2P-Modelle in Sicht

Die größte Herausforderung liegt nicht im Konzept, sondern in der Abwicklung:

  • „15‑minütige virtuelle Energieallokation
  • saubere Bilanzierung und Abrechnung
  • Skalierung auf hunderte oder tausende Teilnehmer

Hier verschiebt sich die Wertschöpfung klar in Richtung spezialisierter Plattformen.

Flexibilität & DER werden zum Rückgrat

Ein Blick über alle Märkte zeigt: Flexibilität und dezentrale Energieressourcen (DER) sind kein Nice-to-have mehr, sondern das Rückgrat eines stabilen, bezahlbaren Energiesystems.

Versorger, die 2026 noch hauptsächlich auf Fixpreistarife und Jahresabrechnung setzen, riskieren den Anschluss zu verlieren.

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