

Der Energiemarkt verändert sich rasant. Immer mehr erneuerbare Energien, volatile Börsenpreise, Elektroautos und Wärmepumpen stellen Energieversorger und Haushalte vor neue Herausforderungen. Klassische Festpreistarife stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen – sie schaffen kaum Anreize für Flexibilität oder Lastverschiebung.
Genau hier kommen Home Energy Management Systeme (HEMS) ins Spiel. In einem gemeinsamen Whitepaper von exnaton, Solar Manager und Consolinno wird gezeigt, warum HEMS der zentrale Enabler für dynamische Tarife sind – und wie Energieversorger, Netze und Endkunden davon profitieren.

Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien schwankt die Stromerzeugung stärker als früher. Gleichzeitig wächst der Stromverbrauch durch Elektromobilität und Elektrifizierung von Wärme. Starre Tarife mit fixem Preis ignorieren diese Dynamik – und verschenken enormes Potenzial.
Dynamische Stromtarife setzen genau hier an: Sie spiegeln Preisschwankungen wider und schaffen Anreize, Verbrauch in günstige Zeiten zu verlagern. Doch ohne intelligente Steuerung bleiben diese Tarife für viele Haushalte kompliziert und wenig greifbar.
HEMS übernehmen hier die Schlüsselrolle. Sie verbinden Haushaltsgeräte, Erzeugungsanlagen und externe Preissignale zu einem intelligenten Gesamtsystem – und machen Flexibilität erstmals wirklich nutzbar.
In Deutschland sind Energieversorger seit 2025 gesetzlich verpflichtet, dynamische Stromtarife anzubieten (§ 41a EnWG). Doch regulatorischer Druck ist nur ein Teil der Motivation. Viele EVU sehen darin auch eine echte Chance:
Technisch bedeutet das: neue Tarifmodelle (z. B. Time-of-Use oder Spot-Index), angepasste Prozesse und enge Zusammenarbeit mit Software- und HEMS-Anbietern. Genau hier entstehen neue Ökosysteme aus Tarif, Energiemanagement und Kundenerlebnis.
Damit ein HEMS optimal steuern kann, braucht es präzise Preissignale. Diese werden heute meist über Schnittstellen (z. B. REST-APIs) direkt aus dem ERP- oder Umsystem des Energieversorgers übertragen – oft bereits kundenindividuell und inklusive Bruttopreisen.
Durch Authentifizierungsmechanismen wie OAuth sind Preise sauber dem jeweiligen Haushalt zugeordnet. Das ermöglicht:
Langfristig lassen sich so sogar personalisierte Preissignale mit unterschiedlicher Frequenz und Höhe realisieren.
E-Autos eignen sich perfekt für dynamische Tarife: hoher Energiebedarf, flexible Ladezeiten und klar definierte Abfahrtszeiten. Ein HEMS analysiert laufend Strompreise, Ladezustand und Nutzerwünsche – und lädt automatisch in den günstigsten Zeitfenstern.
Besonders effektiv ist das sogenannte Schwellpreis-Laden: Das Fahrzeug lädt nur dann mit voller Leistung, wenn der Strompreis unter einem definierten Grenzwert liegt. PV-Überschüsse werden dabei priorisiert genutzt. Mit 15-Minuten-Spotpreisen wird diese Optimierung noch präziser.
Das Ergebnis: geringere Kosten, volle Transparenz und maximale Nutzerfreundlichkeit – ohne manuelles Eingreifen.
Wärmepumpen sind echte Stromfresser – aber auch extrem flexibel. In Kombination mit HEMS und dynamischen Tarifen lassen sich ihre Betriebskosten deutlich senken, ohne Komfortverluste.
Im Gegensatz zu einfachen SG-Ready-Signalen ermöglicht eine bidirektionale HEMS-Steuerung:

So läuft die Wärmepumpe bevorzugt dann, wenn Strom günstig und im Überfluss vorhanden ist. Studien zeigen Einsparpotenziale von bis zu 30 % pro Jahr – plus geringeren Verschleiß und längere Lebensdauer der Anlage.
HEMS sind nicht nur für den Haushalt relevant, sondern auch für Netz und Strommarkt. Sie können lokale Netze entlasten, Redispatch reduzieren und Prosumer in Flexibilitätsmärkte integrieren.
Aggregiert in virtuellen Kraftwerken lassen sich Wärmepumpen, Batterien und E-Autos künftig auch vermarkten. Haushalte werden so vom passiven Verbraucher zum aktiven Teil des Energiesystems – und können dafür sogar vergütet werden.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die One-App-Lösung: Tarife, Abrechnung, Gerätesteuerung und Energiemanagement in einer einzigen Anwendung. Für Nutzer bedeutet das weniger Komplexität und volle Transparenz. Für Energieversorger entsteht ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Statt nur Rechnungen anzuzeigen, wird Energie interaktiv:

Das stärkt das Verständnis für dynamische Tarife – und schafft echte Kundenbindung.
Simulationen zeigen deutlich: Je stärker HEMS, dynamische Tarife und gesteuerte E-Mobilität kombiniert werden, desto größer sind die Einsparungen. Je nach Haushalt und Nutzungsprofil lassen sich jährlich rund 450 bis 1.400 Euro sparen – bei höherem Eigenverbrauch und nachhaltigerer Energienutzung.
HEMS sind der Schlüssel, um dynamische Tarife in die Praxis zu bringen. Sie verbinden Markt, Netz und Haushalt und machen Flexibilität einfach nutzbar. Für Energieversorger entsteht ein starkes digitales Ökosystem aus Tarif, Steuerung und Kundenerlebnis. Für Haushalte wird Energie endlich verständlich, steuerbar – und günstiger.
Kurz gesagt: Ohne HEMS keine dynamischen Tarife im Alltag.